Herzlich Willkommen.

Auf dieser Seite präsentiert sich der Arbeitskreis der spezialisierten „Hamburger Verfahrenspfleger“ nach Werdenfelser Weg.

Wir bieten mit dieser Seite interessierten Kollegen und Mitstreitern aktuelle Informationen sowie einen Überblick über unsere Arbeit in Hamburg.

Zusätzlich erhalten Sie auf dieser Seite alle Informationen zur Vermeidung von freiheitsentziehenden Maßnahmen sowie nützliche Links und News.

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Unseren BLOG finden Sie genau hier drunter.

5. Fachtag „Werdenfelser Weg“

  1. Fachtag Werdenfelser Weg, Freitag, 21. Juli 2017, 9 – 16 Uhr, Campuskirche der Katholischen Stiftungsfachhochschule München

 

Thema „Herausforderndes Verhalten“, insbesondere auch als Anlass für freiheitsentziehende Maßnahmen

Wir befassten uns mit herausforderndem Verhalten im Bereich der Versorgung behinderter Betreuter, ebenso wie im Bereich der Altenpflege und bei Kindern und Jugendlichen.

Herausforderndes Verhalten, d.h. nicht situationsgerechtes oder sozial unangepasstes Verhalten, ist ein häufig erheblich belastender Aspekt im professionellen, aber auch privaten Umgang mit Erkrankten. Zugleich gibt es häufig Anlass für Interventionen. Dazu zählen auch massive Eingriffe in Freiheit oder körperliche Integrität der Bewohner und Patienten.

Wie kann eine angemessene Problemlösung zugunsten der Betroffenen ohne freiheitsentziehende Maßnahmen gewährleistet werden?

Dazu wurden wieder interessante Experten eingeladen:

 

Alle Infos zu diesen und vorhergehenden Fachtagen finden Sie hier: Link

Die therapeutische Lüge

O D E R ; „Nehmen Sie bitte noch Ihre Tablette, die ist g u t für Sie“

Nach aktuellen Erkenntnissen v e r k ü r z e n alle Neuroleptika die Lebensdauer dementer Patienten.

Und wenn die Tablette ein Neuroleptika ist?
Und wenn es, sagen wir mal „Risperdal“ ist?
Sicherlich haben Sie diesen Spruch auch schon oft gehört und vielleicht haben Sie sich dann auch gefragt, … stimmt dass denn eigentlich?
Sind Neuroleptika (gerade in der Langzeittherapie) denn wirklich „gut“?
Neuroleptika, auch Antipsychotika oder Nervendämpfungsmittel, wirken psychotischen Symptomen wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen entgegen. Gleichzeitig haben sie oft eine beruhigende, dämpfende Wirkung.
Neuroleptika werden vor allem bei schizophrenen Erkrankungen eingesetzt, und zwar sowohl zur Linderung der akuten Symptome als auch als Langzeitbehandlung, um Rückfälle zu verhindern. Weiterhin kommen sie bei Manien und schizoaffektiven Erkrankungen zum Einsatz.
Daneben werden Neuroleptika auch bei organisch bedingten psychischen Störungen und D e m e n z e n verordnet, bei denen es zu Verwirrtheitszuständen und starker Unruhe kommt.
Neuroleptika beeinflussen den Stoffwechsel des Botenstoffs Dopamin. Sie führen dabei zu einer Blockade der Rezeptoren für Dopamin im Gehirn, so dass der Botenstoff an der Empfängerzelle (der postsynaptischen Nervenzelle) keine Wirkung entfalten kann.
Die „atypischen“ Neuroleptika können zu massiver Gewichtszunahme führen. Damit steigt nicht nur das Risiko, an Diabetes zu erkranken, sondern auch das Risiko von Schlaganfällen.
Nach aktuellen Erkenntnissen v e r k ü r z e n alle Neuroleptika die Lebensdauer dementer Patienten.
Ein Bericht aus Großbritannien enthält folgende schockierende Berechnung:
Wenn 1.000 Patienten mit Demenz wegen Verhaltensstörungen zwölf Wochen lang atypische Neuroleptika einnehmen, führt das bei 91 bis maximal 200 von ihnen zu einer (geringen) Besserung.
Anderseits s t e r b e n etwa 10 Patienten zusätzlich und 18 Patienten erleiden einen Schlaganfall, der bei jedem Zweiten schwer ist. Dehnt man den Behandlungszeitraum auf zwei Jahre aus, kommen Hochrechnungen auf bis zu

1 6 7   z u s ä t z l i c h e   T o d e s f ä l l e .

Der Nutzen dieser Psychopharmaka bei Demenzkranken ist also gering, der Schaden groß. Erstaunlich ist, dass trotzdem der größte Teil der Ärzte und des Pfegepersonals meint, Neuroleptika würden in dieser Situation gut helfen. Gleichzeitig sind aber dieselben Fachleute der Ansicht, vor allem nichtmedikamentöse Behandlungsverfahren seien bei diesen Patienten angebracht.
Risperidon (Risperdal) ist ein ‚atypisches‘ Neuroleptikum, das die Lebensqualität erhöhen und die Reintegration ins gesellschaftliche Leben erleichtern soll. »Zurück ins Leben«, »Anna ist wieder da«, so oder ähnlich lauten die Werbesprüche.
In der Medical Tribune vom 26. Mai 2000 lobte der Hamburger Psychiater Dieter Naber Risperidon als »gut verträgliches Medikament« (Naber 2000). Just am gleichen 26. Mai 2000 wurden in Philadelphia der Psychiatriebetroffenen Elizabeth Liss 6,7 Millionen US-Dollar Schmerzensgeld zugesprochen, zahlbar vom behandelnden Psychiater. Frau Liss war nach vierzehnmonatiger Verabreichung von Risperdal an tardiver Dyskinesie erkrankt, Unterform tardive Dystonie in Form von Krämpfen der Gesichts- und Nackenmuskulatur (vgl. Breggin 2000).
Clozapinartige Neuroleptika stehen generell unter Verdacht, insbesondere vegetative Störungen wie Neuroleptische Maligne Syndrome, Bauchspeicheldrüsen- und Leberstörungen zu produzieren.
Also wie war nochmal der Spruch, denn man so oft bei der Gabe der Medikamente hört?
Sie müssen noch Ihre Tabletten nehmen, die sind wichtig.
Müsste es nicht ab und zu lauten:
Nehmen Sie das Zeug bloß nicht, wir sprechen nochmal mit ihrem Arzt darüber.

Das ändert sich ab 1. Januar 2017 / Neuregelungen und Gesetze

Der Mindestlohn steigt
Erstmals seit seiner Einführung im Jahr 2015 steigt der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland mit Beginn des Jahres. Statt bislang 8,50 Euro pro Stunde gilt dann ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,84 Euro. Die Anpassung von 34 Cent orientiert sich dabei an der allgemeinen Lohnentwicklung.
Das Kindergeld wird angehoben
Der Kinderfreibetrag steigt 2017 von aktuell 4.608 Euro auf dann 4.716 Euro. In einem zweiten Schritt soll es dann 2018 auf 4.788 Euro nach oben gehen. Auch das Kindergeld steigt 2017: Um je zwei Euro pro Monat pro Kind.
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Tesla-Neukunden laden nicht mehr kostenlos
Wer sich für den Kauf eines Elektroautos vom Typ Tesla entscheidet, muss künftig für das Aufladen seines Fahrzeuges an den Schnellladestationen bezahlen. Während der Ladevorgang für Bestandskunden weiterhin kostenlos ist, müssen Käufer, die ihr Fahrzeug 2017 erwerben, zeit- und regionsabhängige Preise für die Supercharger zahlen.
Führerschein wird teurer
Wer im neuen Jahr eine theoretische Führerscheinprüfung ablegt, muss statt 11 Euro dann 11,90 Euro bezahlen. Wird die Prüfung am Computer vorgenommen, zahlen Prüflinge 10,60 Euro, die praktische PKW-Prüfung schlägt dann mit 91,50 Euro zu Buche – Motorradfahrer zahlen 121,38 Euro.
Hauptuntersuchung kostet mehr
Auch die Kosten für die Hauptuntersuchung steigen 2017 an. Künftig werden je nach Bundesland Gebühren in Höhe von 35 Euro und 54,86 Euro erhoben.
Wlan in Zügen wird kostenlos
Wer ab 1. Januar 2017 in ICE-Zügen der Deutschen Bahn unterwegs ist, dem steht ab Januar auch in der zweiten Klasse kostenloses WLAN zur Verfügung. Jeder Zugreisende erhält 200 MB Datenvolumen, darüber hinaus wird die Geschwindigkeit gedrosselt.
Mehr Geld für Hartz IV-Empfänger
Für Empfänger von Grundsicherung beginnt das neue Jahr mit mehr Geld im Portemonnaie, denn die Leistungen für Menschen, die ihren Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten können, steigen mit dem neuen Jahr. Für Kinder zwischen 6 und 14 Jahren fällt die Anpassung besonders hoch aus: Sie erhalten ab Januar 21 Euro mehr Grundsicherung. Dem Plus liegt die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamts von 2013 zugrunde. Demnach ist der Bedarf in dieser Altersgruppe für Lebensmittel und Getränke erheblich höher als bisher berechnet, das teilte die Bundesregierung mit. Für Alleinstehende wurde der Satz von 404 auf 409 Euro im Monat angehoben.

Deutschlandweit erstmals Studiengang „Evidenzbasierte Pflege“ in Halle

Franzbranntwein zur Pneumonie-Prophylaxe?
Eiswürfel und Fön zur Behandlung von Dekubitus?
Freiheitsentziehende Maßnahmen als Sturzprohylaxe?

Dass diese teils sinnlosen, teils schädlichen Maßnahmen aus dem Stationsalltag verschwunden sind, ist auch der evidenzbasierten Pflege zu verdanken.
Evidenzbasierte Pflege ist die Integration der aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Pflege. Warum dauerte es so lange, bis die Erkenntnis, dass Eis, Fön, Bettgitter und Franzbranntwein keine positive Wirkung haben, die Pflege Praxis erreicht haben? Zum einen liegt es sicherlich an der Macht der Rituale, zum anderen aber auch daran, dass neues Wissen in Pflegeberufen schwer zugänglich ist. Dauernd erscheinen irgendwelche mehr oder weniger gute neue Studien.

Solche Studien zu lesen, zu analysieren und auf ihre Aussagekraft hin auszuwerten, ist zeitraubend und fachlich komplex. Welche davon dann wirklich auf nachprüfbaren Methoden bestehen, durch andere Studien belegbar und zu praktisch umsetzbaren Erkenntnissen führen, können oft nur noch Pflegewissenschaftler als Spezialisten beurteilen.

Die Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg bietet ab sofort den primärqualifizierenden Bachelor-Studiengang „Evidenzbasierte Pflege“ als deutschlandweit bisher einzigartigen Studiengang, für den man sich bis 15. Juli 2016 an der Universität Halle bewerben kann. Beginn des Studiums ist zum Wintersemester 2016/17.

Kontakt: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg * Medizinische Fakultät,  Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, Magdeburger Straße 8 * 06112 Halle (Saale)

Direktlink zum idw

Neuroleptika schaden oft mehr, als dass sie helfen.

Eigentlich hätten allerdings bereits die seit Jahren verfügbaren Daten zur Gefährlichkeit von Neuroleptika zu einem kritischen Einsatz dieser hochwirksamen Substanzen bei Demenzkranken führen müssen. Doch nach wie vor gehört die Langzeitanwendung von Neuroleptika zum Alltag auch in deutschen Seniorenheimen. Die Anwenderzahlen sind in den vergangenen Jahren sogar noch gestiegen.

Die viel geübte Praxis, Demenzpatienten mit Antipsychotika ruhigzustellen, wird schon lange heftig kritisiert. Zunächst waren es allein ethische Bedenken, dann kamen medizinische Gründe hinzu. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA sah sich bereits 2005 veranlasst, wegen der erhöhten Sterblichkeit (um 60 bis 70 Prozent) vor dem Einsatz von atypischen Neuroleptika bei Demenz zu warnen. Im Jahr 2008 wurde die Warnung auf konventionelle Neuroleptika ausgeweitet. Und außer der erhöhten Todesrate gibt es noch einen weiteren gravierenden Einwand: Neuroleptika führen bei Demenzkranken nachweislich zu einem beschleunigten Abbau der kognitiven Fähigkeiten.

Link zur Datenquelle

Aktionstag „Halt vor Gewalt“ – Fürsorge wird oft falsch verstanden

Das Grundgesetz sagt, dass die Freiheit der Person unverletzlich ist. Doch was ist mit der geschlossenen Demenzstation? Eine Gratwanderung zwischen Schutz und Freiheitsberaubung. Christine Schönfeld hat’s in der eigenen Familie erlebt. Die Urgroßmutter war im Pflegeheim, saß im Rollstuhl, war aber fit im Kopf. Doch auf einmal „wurde sie angeblich verrückt“, erzählt Christine Schönfeld. Sie war verwirrt, schrie nachts, ließ sich nicht beruhigen. Sie bekam mehr Beruhigungsmittel. Aber es wurde eher schlimmer.

Direktlink zum Beitrag

Der Fachtag in München ein „Weltkongress“? Ein Rückblick auf den Fachtag 2015

Am Freitag, 17. Juli 2015fand der dritte Fachtag Werdenfelser Weg in der Campus-Kirche  der Katholischen Stiftungsfachhochschule München und den Räumlichkeiten der Fachhochschule statt und JA, es war ein Weltkongress. Diesmal ging es um die Vermeidung der Freiheitsentziehung durch Medikamente.

 

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Abschlussfoto mit allen Referenten und den Initiatoren des WW Herr Dr. Kirsch und Herrn Wassermann.

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Zusammenfassung Forum 1 durch Herrn Frank Ulrich -Hamburg- und Frau Christel Pilz -Landratsamt Weilheim-Schongau-

Nach einer allgemeinen Begrüßung sprach der Bayerische Staatsminister der Justiz Prof. Dr. Winfried Bausback ein fünfzehnminütiges,  fachlich fundiertes Grußwort, in dem er zum einen die bisherigen Aktivitäten des Werdenfelser Wegs würdigte, zugleich auch mit großer Detailkenntnis die Unterschiede herausarbeitete zwischen den bisherigen Entscheidungsabläufen bei mechanischen Fixierungen und bei medikamentösen Fixierungen.

Anschließend folgte der Hauptvortrag    Vermeidung medikamentöser Fixierung von  Prof. Dr. phil. Dr. med. Dipl. – Psych. Rolf D. Hirsch , Facharzt für Nervenheilkunde, Bonn. Ihm gelang es mit seiner humorvollen und zuhörerorientierten Vortragsweise, die knapp 400 Teilnehmer für das Thema zu begeistern.  Bei ihm wurde immer wieder deutlich, dass beim Thema der medikamentösen Fixierung eben nicht der ärztlich therapeutische Behandlungszweck eines Krankheitsbilds im  Vordergrund steht, sondern ein pflegerisches Problem mit Verhaltensweisen von Bewohnern nicht pflegerisch, sondern medikamentös „gelöst“ wird.  Als Arzt konnte er so glaubwürdig auch immer wieder zwischen dem ärztlich therapeutischen Blickwinkel und dem pflegerischen Problemstellungen wechseln.

Direktlink zu den Initiatoren

Freiheitsentziehende Maßnahmen zum Wohl oder Schutz anderer sind nach Betreuungsrecht grundsätzlich nicht möglich.

Fixierungen zur Vermeidung von fremdaggressivem Verhalten lassen sich nach §1906 Abs. 4 BGB vom Betreuungsrichter nicht genehmigen, auch freiheitsentziehende Maßnahmen  zum Wohl oder Schutz anderer sind nach Betreuungsrecht grundsätzlich nicht möglich.

Bei einer Gefährdung anderer Personen muss auf öffentlich rechtliche Unterbringungsmaßnahmen abgestellt werden.  Im Pflegeheim oder einer Behinderteneinrichtung können Fixierungen bei Fremdgefährdung nur in Akutsituationen in Betracht kommen. Ein Rückgriff auf strafrechtliche Rechtfertigungsggründe  ist allenfalls in einer einzelnen Notsituation zur Abwendung konkreter Gefahren für den Betroffenen zulässig.

Direktlink zum Urteil vom 29.01.2015 Az. 435 C 5598/13

Fixierung im Heim -Pflegekräfte fühlen sich „mutterseelenallein“-

„Die Pflege fühlt sich mutterseelenallein mit der Verantwortung“, berichtet Dr. Sebastian Kirsch, Richter am Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen, beim 13. Kölner Sozialrechtstag. Er ist einer der Initiatoren des „Werdenfelser Weges“, einer Initiative zur Vermeidung von Fixierungen. „Wir wollen den automatischen Entscheidungen den Kampf ansagen“, sagt er.

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Zusatzmatratzen statt Bettgitter: Demenzkranke Bewohnerin im Seniorenzentrum Theresienau in Bonn.

© Rolf Vennenbernd/dpa

Direktlink zum Beitrag in der Ärztezeitung